Weltenwahn3 min read

Wohin man schaut, zunehmend habe ich das Gefühl das nur eins gewiss ist: der Wahnsinn steigt. Das Hoch von rechten Umfrageergebnisse, imperialen Überfällen mit Lust auf geographische Neuordnungen von Nationengrenzen, Steigerung der Militärausgaben mit eingehender Militarisierung von Gesellschaften und zugleich die Kristallisierung von inneren und geldmächtigen Zirkeln, die ihrer dämonischen Lust jenseits humanitärer Werte unbehelligt frönen. Wohin ich auch blicke, Radio, TV, Insta&Co, Nachrichten. Es scheint so zu sein, dass es darum geht diesen Wahnsinn auf die Spitze zu treiben, Diskurse von Mächtigen neu ordnen zu lassen mit dem Ziel die Aufmerksamkeit zu verstreuen und Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften aufzulösen. Was bleibt ist belangloses TrashTV, Pesudo-heile Welt für die Überforderten und ein paar Kekskrümmel für die Träger:innen von Gesellschaften. Alles nicht neu, aber mehr und mehr entblättern sich totalitäre Strukturen Bahn unterhalb der demokratischen Konsense.

Diese Unüberschaubarkeit lässt mich erstarren. Konsense drohen zu fallen: Demokratische, Humanitäre, Menschliche. Statt dessen schickt sich der „Weltengeist“ an, noch die Reste der Aufklärung hinfortzufegen. Ich schau durch unsere Texte und Songs. Als wir 2018 die EP veröffentlichten haben wir damals eine Zusammenstellung der drei Songs Social Exclusion, States of chaotic Terror und The Suicided unter dem Titel „Panoramic View of Disorder“ zusammengefasst. Und diese Zusammenstellung drückt mein Lebensgefühl aus: kollabierende Staaten aus Profitgier, willige Vollstrecker in Institutionen, Verelendung und Elendsspiele für die Mächtigen und die nahezu hoffnungslose Suche nach dem Nullpunkt, von dem wir Solidarität und Menschlichkeit wieder miteinander fühlen – abseits von Sozial Media bestimmten Bubbles, KI-generierten Phantasien und proto-faschistischen „Kulturempfehlungen“.

Ich muss an unseren Song Warren denken. Es geht hier um einen Scheißkerl, der 1984 in Indien eins der größten Industriekatastrophen zu verantworten hatte . Die Hinterbliebenen haben bis heute mit den Konsequenzen zu leben und können sich gegen „Syndicates of Silence“ mit ihren Ansprüchen nicht durchsetzen. Natürlich wurde der Scheißkerl nie angeklagt und konnte bis zu seinem Tod einen schönen Lebensabend erfreuen. Syndicates of Silence, eine schöne Formel die überall dort aufschlagen, wo Gemeinschaften Macht, Geld und Definitionshoheiten aggregieren, und über Medien Diskurse steuern versuchen. Recht schützt Geld schützt Politik, deutlich erkennbar gerade an der amerikanischen Gesellschaft: Reaktionäre Raubtierdiskurse, die sich in Institutionen verfestigen, sich in Personen verstetigen, um Kultur, Denk- und Handlungsweisen neu zu formen und auch hier droht das Kollabieren von weiteren Gesellschaften.

Und immer ferner scheinen mir jene doch eigentlich selbstverständlichen Werte in den durchgehend individualisierten Gesellschaften: Auflösung des Miteinander zugunsten von Partikularinteressen mit dem Ziel, Einzelne zurückzuwerfen auf ihr Alleinsein, Einzäunung ins Isolierte und die Aufkündigung sozialer Konsense. Gut, wenn wir uns hier nicht unterkriegen lassen. Mit dem neuen Album greifen wir mit Utopia in 48h die unverschämte Utopie auf: Stell Dir nur vor, wir bräuchten 48h um Gesellschaften wieder auf Gemeinschaft und Solidarität auszurichten. Mit Disilluse Your Leader fordern wir auf, jenen zu entfolgen, die selbst Teil der Syndicates of Silence geworden sind. Und mit Bullshit Laws beschreiben wir uns bedrängende Strukturen, die zu Bullshit-Regeln führen.Diese finden wir nicht nur in der Politik, auch in der Wissenschaft und sie reichen selbst ins Private. Die Musik hilft uns, mit dem Wahnsinn umzugehen, ein Ventil zu haben und dem Unaussprechlichen Form zu geben. Das neue Album ist unser persönlicher Lichtblick und wir freuen uns den in Kürze mit Euch teilen zu dürfen.

 

Autor

  • Micha

    Found of the band The Suicided in 2008.

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